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Festival 2009

XIV. Internationales Wandertheaterfestival

»SCHAU SPIELE« - Theater ohne Worte

Die meisterhafte Beherrschung der Kunst mit dem Körper zu sprechen, gehört zum unverzichtbaren Handwerkszeug eines jeden Schauspielers, einer jeden Schauspielerin. Dies trifft um so mehr auf die Darsteller in den Wanderbühnen zu, die auf der Suche nach ihrem Publikum keine ­­Kultur-,
Sprach- und Landesgrenzen kennen. Etwa seit dem beginnenden 16. Jahrhundert reisten englische Komödianten durch Konti­nen­taleuropa, ohne die Sprachen der von ihnen besuchten Länder zu be­herrschen. Um sich verständlich zu machen, entwickelten sie eine Schauspieltechnik, bei der sie die Hand­lung nur durch Mimik, Gestik und Bewegung darstellten.
Neben der universalen Ver­ständlichkeit der Körpersprache hatte das nonverbale Spiel den großen Vorteil, die Zensur auf elegante Art und Weise zu umgehen. Kontrolliert wurden in aller Regel nur die Text­bücher. Das Unaussprechliche konnte, zur großen Freude des Publikums, mit eindeutigen Gesten treffend auf die Bühne gebracht werden, ohne dass man um seine Spiellizenz fürch­ten musste. Zeitweise gab es in einigen Städten sogar ein totales Textverbot für Wander­ko­mö­dian­ten. So fürchtete im 18. Jahr­hundert die Pariser Comédie-Française, das französische National­the­ater, die Konkurrenz der Kollegen von der fahrenden Zunft und setzte zeit­weise ein derartiges Verbot durch. Dass dieses Ver­bot die Entwicklung der "stummen Kunst" noch beförderte, liegt auf der Hand. Besonders die Darsteller der komischen Figuren des frühen Wandertheaters entwickelten eine wahre Meister­schaft mit Händen und Füßen, Augen, Mund, Bauch und Beinen Ge­schich­ten zu erzählen, die ein breites Publikum begeisterten. So wurden die Figuren des englischen Pickel­hering, des deutschen Hans­wurst und des italienischen Arlecchino zum Vorläufer des Zir­kus­clowns und später der be­rühmten Slap­stickkünstler der Stummfilmära.
Modernes nonverbales Theater bedient sich heute vielfältigster stilistischer Mittel, die mit den Begriffen wie Tanztheater, Physical Theatre, Bewegungstheater, gestisches Theater, visuelles Thea­ter nur andeutungsweise umschrieben werden können. Vielen fahrenden Komödianten geht es heu­te wie damals darum, sich einer Sprache zu bedienen, die weitgehend ohne das gesprochene Wort auskommt und gerade deshalb in aller Welt verständlich ist.

Eine Sprache, die spannende Geschichten allein mit der poetischen Kraft des Körpers erzählt.

Helmut Raeder, Künstlerischer Leiter

Festivalteilnehmer

Peter Shub (USA) - "Shubkraft"

Slagman Producties (Niederlande) - "Pop up!"

Nakupelle (Finnland/USA) - "The Trap"

Oplas Teatro (Italien) - "Ombre"

antagon theaterAKTion (Deutschland) "Frame Games".

Derevo (Russland) "NarrenReich"

Künstlergruppe Richard von Gigantikov (Deutschland) "LABY LALILU" 

Theater Trukitrek (Spanien) "Hôtel Crab"

Theater Kvelb - "Parade"

Theater Post & Schreiber - "Hans im Glück" - "Ik bün Könik"

Tim Schreiber - "Von Menschen und anderen Missgeschicken"

Hacki Ginda - "Hackifun"

KETE - "Der Feinrippschwarm zieht in den Himmel"